Glaukom verstehen
Das Glaukom, auch Grüner Star genannt, steht für eine Gruppe unterschiedlicher Augenerkrankungen, die nach und nach den Sehnerv schädigen und zu fortschreitenden Gesichtsfeldverlusten führen. Aristoteles prägte den Begriff "Glaukom" nach dem griechischen Wort "glaukós" ("grau-bläulich“), was sich auf die blau-graue Verfärbung der Regenbogenhaut bei chronischen Entzündungen bezieht. Ohne Behandlung kann die Glaukom-Erkrankung zu einer Erblindung führen. Mit mehr als 500.000 Betroffenen in Deutschland ist das Glaukom eine Volkskrankheit – und eine der häufigsten Ursachen für Erblindung weltweit.
Als wichtigster Risikofaktor für die Entwicklung eines Glaukoms gilt ein zu hoher Augeninnendruck. Es gibt aber auch Glaukome, die ohne einen erhöhten Druck entstehen. Charakteristisch für das Glaukom ist eine fortschreitende Aushöhlung (Exkavation) des Sehnervenkopfes. Das Tückische: Die Erkrankung verläuft meist schleichend und das Gehirn gleicht bis zu einem gewissen Grad Schädigungen des Sehnervs aus. Sobald Symptome wahrgenommen werden, ist meist schon ein signifikanter Anteil der Sehnervenfasern (etwa 40 Prozent) zerstört – und das irreversibel. Deshalb kommt der Glaukom-Früherkennung eine extrem hohe Wichtigkeit zu: Wird der Grüne Star frühzeitig erkannt, können irreparable Sehstörungen oder gar Blindheit durch gezielte Therapie verhindert werden.
Glaukom: einfach erklärt
Störung im "Datenkabel" zwischen Auge und Gehirn
Der Sehnerv ist eine Art natürliches Datenkabel, das die Bild-Informationen vom Auge zum Gehirn überträgt. Bei Glaukomerkrankungen führt der relative Druck im Auge dazu, dass die feinen Nervenfasern im Sehnervenkopf allmählich abgedrückt werden und absterben. Dadurch können sukzessiv immer weniger Bild-Informationen zum Gehirn fließen – ungefähr so, als würde man einen Wasserschlauch abknicken – oder im übertragenen Sinne das Kabel zwischen Kamera und Computer unterbrechen. Nur leider können einmal abgestorbene Sehnervenfasern nicht wieder hergestellt werden.
Glaukom-Formen
Man unterscheidet folgende Arten von Glaukomen:
Weitwinkel-Glaukom (auch Offenwinkel-Glaukom)
Hierbei handelt es sich um die häufigste Glaukom-Form. Ein Missverhältnis von Produktion und Abtransport des Kammerwassers führt zu einem dauerhaft erhöhten Augeninnendruck. Ab dem 40. Lebensjahr steigt das Risiko, an dieser Glaukom-Form zu erkranken.
Normaldruck-Glaukom (auch Niedrigdruck-Glaukom)
Diese Form wird durch unzureichende Durchblutung des Sehnervs ausgelöst. Vor allem Personen mit schlecht eingestelltem Blutdruck, Verengung der Halsschlagadern oder Migräne zählen zur Risikogruppe für diese Form.
Engwinkel-Glaukom
Dies ist eine seltenere Glaukom-Form, die mit einem erhöhten Risiko für einen sogenannten Glaukomanfall einhergeht. Dabei können schon in kurzer Zeit starke Schäden am Sehnerv entstehen.
Angeborenes Glaukom (kongenitales Glaukom)
Die sehr seltene Glaukomform tritt in einem von 10.000 Fällen bei Säuglingen und Kindern auf. Eine fehlerhafte Ausbildung des Trabekelmaschenwerks führt dabei zu einer Erschwerung des Kammerwasserabflusses - die Ursache ist oft eine Röteln-Infektion während der Schwangerschaft. Das kindliche Auge kann sich durch den erhöhten Augeninnendruck vergrößern, was zur Glaukom-Früherkennung im Rahmen der Kindervorsorgeuntersuchungen erfasst wird.
Glaukom-Symptome
Was den Grünen Star so gefährlich macht, ist die Tatsache, dass er über lange Zeit symptomfrei und daher meist unbemerkt fortschreiten kann. Das gilt insbesondere für das sehr häufige Weitwinkel-Glaukom: Der dabei erhöhte Augeninnendruck ist nicht spürbar und verursacht keine Schmerzen.
Bei allen Glaukom-Formen sterben nach und nach Sehnervenfasern ab, was aufgrund der Ausgleichsleistung unseres Gehirns jedoch zunächst keine Einschränkung im Sehvermögen auslöst. Erst wenn etwa 40 Prozent der Sehnervenfasern abgestorben sind, kommt es allmählich zu einer bogenförmigen Einengung des Gesichtsfeldes. Diese beginnt meist am äußeren Rand, sodass zentrales scharfes Sehen, wie etwa beim Lesen erforderlich, lange Zeit unbeeinträchtigt bleibt. Sobald etwa 70 Prozent der Sehnervenfasern abgestorben sind, wird zunehmend auch das zentrale Gesichtsfeld eingeschränkt – jedoch subtil und schleichend, sodass viele Betroffene sich daran gewöhnen und es ihnen noch immer nicht auffällt.
Schreitet die Krankheit weiter fort, wirkt es, als sehe man „Schatten“. Auch die Wahrnehmung von Farben und Kontrasten und das Sehen im Dunkeln können gestört sein. Langfristig wird das Gesichtsfeld immer kleiner, die wahrgenommen Schatten werden immer dunkler, bis schließlich sehr starke Sehstörungen bis hin zu Blindheit drohen. In den meisten Fällen bleibt das Glaukom bis zum Ende schmerzfrei.
Glaukom-Anfall
Sofort zum Arzt!
Eine Ausnahme zu den genannten Symptomen bildet der Glaukomanfall. Dabei steigt der Augeninnendruck schnell sehr stark an und verursacht akute Beschwerden:
- sofortige, starke Sehstörungen (wie schleierhaftes Sehen und Gesichtsfeldausfälle)
- starke Augen- und Kopfschmerzen
- ein einseitig gerötetes Auge mit hartem Augapfel
- eine nicht reagierende, mittelweite Pupille
- Übelkeit und Brechreiz
Eine sofortige ärztliche Behandlung innerhalb weniger Stunden nach Auftreten des Glaukomanfalls ist sehr wichtig, um schwerwiegende lebenslange Schäden zu verhindern.
Risikofaktoren für Glaukome
Grundsätzlich kann jeder Mensch im Laufe seines Lebens ein Glaukom entwickeln. Folgende Faktoren erhöhen jedoch die Wahrscheinlichkeit, an Grünem Star zu erkranken:
- erhöhter Augeninnendruck
- sehr niedriger Blutdruck, besonders bei starken nächtlichen Blutdruckabfällen
- Durchblutungsstörungen, z. B. Raynaud-Syndrom, Migräne, Tinnitus oder arterielle Hypotonie
- Gefäßverschlüsse
- Diabetes mellitus (etwa 7 Prozent der Betroffenen entwickeln ein Glaukom)
- Nervenerkrankungen, z. B. Multiple Sklerose
- Kortisonbehandlungen über einen langen Zeitraum hinweg
- schwere Augenverletzungen oder -entzündungen
- vorhergehende Augenoperationen
- höheres Lebensalter
- Glaukom-Erkrankungen in der Familie
- hohe Kurz- oder Weitsichtigkeit
- ethnische Zugehörigkeit (Menschen afroamerikanischer Herkunft weisen ein bis zu fünfmal erhöhtes Glaukomrisiko auf)
- Rauchen
Behandlung des Glaukoms
Ein Glaukom lässt sich zwar nicht heilen, aber sein Fortschreiten so verlangsamen, dass wenig bis keine weiteren Sehverluste auftreten – vor allem bei frühzeitiger Erkennung im Rahmen einer Glaukom-Vorsorge.
Dabei kommt zunächst eine medikamentöse Therapie mit leichten bis starken Augentropfen zum Einsatz. Nur in sehr schweren Fällen kann eine Operation indiziert sein.
Mehr Informationen zur Glaukom-Therapie finden Sie hier: