Grauen Star verstehen
Der Graue Star (griechisch „die Katarakt“) ist die häufigste Augenerkrankung überhaupt. Alleine in Deutschland leiden rund 10 Millionen Menschen am Grauen Star. Sein Name leitet sich vom griechischen Begriff für "Wasserfall" ab, denn Betroffene sehen langsam zunehmend schleierhaft und grau – wie durch einen Wasserfall. Der Grund dafür ist, dass die körpereigenen Augenlinsen sich verhärten und allmählich trüb werden. Dadurch fällt immer weniger Licht auf die Netzhaut und im schlimmsten Fall kann der Graue Star bis zur Erblindung führen.
Dabei ist der Graue Star eher eine Alterserscheinung und keine typische Erkrankung: Neben wenigen speziellen, seltenen Formen, die auch jüngere Menschen betreffen können, tritt der sogenannte Altersstar am häufigsten auf. Weit mehr als 90 Prozent der Menschen erkranken irgendwann im Laufe ihres Lebens daran – das Risiko, einen Grauen Star zu entwickeln, nimmt ab dem 50. Lebensjahr kontinuierlich zu. Die meisten Betroffenen sind über 70 Jahre alt.
Was den Grauen Star jedoch von anderen Alterserscheinungen unterscheidet, ist seine sehr gute Behandelbarkeit: Mittels einer seit Jahrzehnten erprobten und weiterentwickelten Operationsmethode lässt sich der Graue Star schnell und einfach behandeln, sodass die meisten Betroffenen anschließend wieder gut sehen können – oft sogar so gut, wie schon seit langer Zeit nicht mehr. Die Operation des Grauen Stars ist weltweit der mit Abstand am häufigsten durchgeführte operative Eingriff über alle medizinischen Fachrichtungen hinweg. In Deutschland wird die Grauer Star OP jährlich bis zu 800.000 Mal vorgenommen.
Die Augenlinse im optischen System
Auge versus Fotokamera
Das optische System des menschlichen Auges ähnelt dem einer Fotokamera und gliedert sich in drei wesentliche Elemente:
- Die Lichtregulierung übernimmt die Iris – analog zur Blende bei der Kamera
- Die Scharfstellung erfolgt über die Augenlinse. Im gesunden Zustand ist sie flexibel und wird durch die sogenannten Ziliarmuskeln gekrümmt, um in unterschiedlichen Entfernungen scharf sehen zu können. Bei der Kamera wird hingegen die Position der Linse verändert, um das Bild zu fokussieren.
- Die Bildgebung findet schließlich auf der Netzhaut statt, auf der die einfallenden Lichtstrahlen gebündelt werden. In der Kamera entspricht dies dem Film oder – moderner gesprochen – dem Sensor.
Wenn die Augenlinse durch den Grauen Star allmählich eintrübt, fällt zunehmend weniger Licht auf die Netzhaut. Diese Eintrübung ist zudem ungleichmäßig, sodass die einfallenden Lichtstrahlen nicht nur reduziert, sondern teilweise auch abgelenkt werden und nicht mehr im Zentrum der Netzhaut auftreffen. Dadurch entstehen zusätzliche Unschärfen, eine erhöhte Blendempfindlichkeit und Doppelbilder beim Sehen.
Ursachen des Grauen Stars
Die Entstehung des Grauen Stars kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst oder beschleunigt werden:
- Alterungsprozess: Natürliche Abbauprozesse in der Linse führen zur Trübung.
- Stoffwechselerkrankungen: Besonders Diabetes mellitus begünstigt Katarakte.
- Medikamenteneinnahme: Langfristige Einnahme von Medikamenten, besonders Kortikosteroiden.
- Verletzungen und Operationen: Traumatische Augenverletzungen oder Augenoperationen können die Entstehung beschleunigen.
- UV-Strahlung: Übermäßige Exposition gegenüber Sonnenlicht und UV-Strahlen erhöht das Risiko.
- Genetische Faktoren: Familiäre Vorbelastung erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung.
- Lebensstil: Rauchen und exzessiver Alkoholgenuss gelten als Risikofaktoren.
Wie bereits geschildert, ist das Alter mit Abstand die häufigste Ursache des Grauen Stars: Etwa 90 Prozent aller Kataraktfälle treten als „Alterskatarakt“ im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses auf. Bei Menschen über 65 findet man in augenärztlichen Untersuchungen häufig bereits Anzeichen einer Linsentrübung – selbst wenn sie noch keine Beschwerden verursachen. Etwa 50 Prozent der Menschen im Alter von 65 bis 74 zeigen relevante Linsentrübungen; ab 75 Jahren sind sogar über 70 Prozent betroffen.
Symptome des Grauen Stars
Da der Altersstar – die mit Abstand häufigste Katarakt-Form – sich oft sehr langsam entwickelt und das Gehirn die Sehverschlechterung bis zu einem gewissen Grad ausgleicht, bemerken Betroffene ihre Linsentrübung manchmal über Jahre oder Jahrzehnte nicht. Häufig wird die fortschreitende Sehverschlechterung irgendwann so wahrgenommen, als wäre „die Brille zu schwach“. Folgende Symptome können zusätzlich auftreten:
- Das Sehen kann wie durch einen Schleier oder Nebel erscheinen.
- Kontraste werden schwächer.
- Die Blendempfindlichkeit nimmt zu.
- Das Lesen von Kleingedrucktem oder Laufschriften im Fernsehen fällt schwerer.
- Das Sehen wird anstrengender und es wird z. B. mehr Licht beim Lesen benötigt.
- Die Augen können durch die Anstrengung schmerzen oder tränen.
- Die Sehschärfe schwindet, besonders bei Dunkelheit.
- Die Farben bleichen nach und nach aus.
- Es kommt zur Wahrnehmung von Doppelbildern.
- Das räumliche Sehen ist zunehmend beeinträchtigt.
- Die Brillenstärke muss möglicherweise häufiger angepasst werden.
- Lichtringe oder -höfe können um Lichtquellen herum zu sehen sein.
Diagnostik: Grauen Star frühzeitig erkennen
Mithilfe der Spaltlampe und anderer augenärztlicher Standardverfahren kann ein Grauer Star sehr frühzeitig diagnostiziert werden – in den meisten Fällen lange bevor die betroffene Person überhaupt Seheinschränkungen wahrnimmt. Im Rahmen dieser Basis-Diagnostik kommen die folgenden Untersuchungen zum Einsatz:
- Spaltlampenuntersuchung: Mikroskopische Betrachtung der Linse, um die Trübung genau zu beurteilen
- Sehtests: Überprüfung der Sehschärfe und Blendempfindlichkeit
- Funduskopie: Untersuchung des Augenhintergrunds zur Beurteilung des Zustands von Netzhaut und Sehnerv
- Augendruckmessung: Ausschluss von Begleiterkrankungen wie dem Grünen Star
Zur Vorbereitung der Operation des Grauen Stars ist dann eine erweiterte Diagnostik zum Ausschluss anderer seheinschränkender Erkrankungen wichtig. In unserer Praxis führen wir dazu zunächst eine Netzhautspiegelung und eine optische Kohärenztomographie (OCT) durch. Die OCT ist ein bildgebendes Verfahren, mit dem hochpräzise Schichtbilder der Makula (Zentrum des scharfen Sehens auf der Netzhaut) erstellt werden können – berührungsfrei wird die Netzhaut präzise mit einem feinen Lichtstrahl abgetastet.
Um dann die Operation präzise vorzubereiten und die einzusetzenden Intraokularlinsen zu berechnen, die bei der Katarakt-Operation anstelle der natürlichen Linsen eingesetzt werden, nehmen wir eine optische Biometrie vor. Hier werden mit Infrarotlicht die Achsenlänge (Länge des Augapfels) und die Vorderkammertiefe gemessen.
Behandlung: Operation des Grauen Stars
Implantation einer kleinen Kunstlinse
Eine medikamentöse Behandlung des Grauen Stars ist nicht möglich, nur ein kurzer operativer Eingriff führt zum Erfolg. Die Katarakt-Operation ist der häufigste operative Eingriff der Welt. Seit 40 Jahren erfolgt diese Operation grundlegend nach demselben Prinzip und wurde seither stetig weiterentwickelt. Dadurch wurde die Grauer Star OP extrem routiniert, sicher und effektiv.
Der nur wenige Minuten dauernde Eingriff erfolgt fast immer ambulant und unter örtlicher Betäubung. Mit einem minimalinvasiven Verfahren wird die durch den Grauen Star eingetrübte Augenlinse entfernt und durch eine moderne Intraokularlinse ersetzt.
In der Regel können Sie bereits kurz nach dem Eingriff wieder nach Hause. Am nächsten Tag wird der Schutzverband bei uns in der Praxis abgenommen. Auch wenn das Auge sich noch an die neue Linse gewöhnen muss, ist die Freude über das wiedererlangte Sehvermögen meistens von Anfang an groß. Eine detaillierte Beschreibung des OP-Ablaufs finden Sie hier:
Die Kosten für die standardisierte Operation des Grauen Stars (unter Verwendung einer Standardlinse) werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Auswahl der Kunstlinse
Eine wichtige Entscheidung, die vor der Operation getroffen werden muss, ist die Wahl der passenden Intraokularlinse.
Im Gegensatz zur Augenlinse sind künstliche Linsen nicht akkommodationsfähig, das heißt, man kann damit nicht automatisch in der Nähe und in der Ferne scharf sehen.
Zur Auswahl stehen Standardlinsen, die entweder scharfes Sehen in der Ferne oder in der Nähe ermöglichen. Es hängt von Ihrem Lebensstil ab, für welche Linse Sie sich entscheiden: Die meisten Patient*innen wählen eine Linse, mit der sie in der Ferne scharf sehen können, und nutzen für den Mittel- und Nahbereich eine Brille.
Neben den Standardlinsen gibt es auch Premiumlinsen, die noch höhere Abbildungsqualität besitzen, zusätzliche Sehschwächen ausgleichen oder scharfes Sehen in Nähe und Ferne – und damit eine größtmögliche Unabhängigkeit von der Brille – ermöglichen.
Ausführliche Informationen, die Sie bei der Auswahl der passenden Intraokularlinse unterstützen, finden Sie hier:
Nachstar: schnell und schmerzlos behandelbar
Bei der Mehrheit der Patient*innen tritt Monate oder Jahre nach der Operation des Grauen Stars eine Eintrübung am Kapselsack auf, der sogenannte Nachstar.
Glücklicherweise kann dieser sehr einfach und schmerzfrei mithilfe einer kurzen, ambulanten Lasertherapie entfernt werden. Eine ausführliche Beschreibung der Entstehung des Nachstars und der Therapie finden Sie hier:
FAQ: Häufige Fragen & Antworten
Eine Operation ist die einzige wirksame Behandlung, wenn der Graue Star das Sehen stark beeinträchtigt. Medikamente oder Brillen helfen nicht gegen die Linsentrübung. Bei nur leichten Beschwerden kann man mit dem Eingriff noch abwarten.
Nein. Das zu operierende Auge wird natürlich betäubt, so dass Sie während des Eingriffs keine Schmerzen spüren. Zusätzlich erhalten die meisten Patienten (auf Wunsch) eine Schlafsedierung, die sie in einen Dämmerschlaf und in einen Zustand tiefer Entspannung versetzt. Während des Eingriffs nimmt man nur einige unscharfe Lichter und Schatten wahr.
Wenn Ihre nachlassende Sehqualität den Alltag stört – z. B. beim Lesen, Autofahren oder Erkennen von Gesichtern –, ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Auch der allgemeine Gesundheitszustand spielt eine Rolle, wobei der Eingriff meist gut verträglich ist.
Nein, die Linsenwahl wird an jedes Auge individuell angepasst. In manchen Fällen ist es sogar sinnvoll, unterschiedliche Linsen zu wählen – je nach Bedarf und Lebensstil.
Die für die Katarakt-OP eingesetzten Intraokularlinsen und deren Materialien wurden seit rund 50 Jahren stetig weiterentwickelt. Eine moderne Kunstlinse hält in der Regel ein Leben lang.
Das ist zwar möglich, jedoch nur in Ausnahmefällen sinnvoll, da unnötige Operationen vermieden werden sollten. Wenn es jedoch erforderlich ist, kann eine bereits implantierte Linse auch in einem kurzen Eingriff ausgetauscht werden.
Der Eingriff wird in den meisten Fällen ambulant durchgeführt.
Sie befinden sich insgesamt etwa 20-30 Minuten im OP-Bereich mit Vor- und Nachbereitung. Als spezialisierte und sehr erfahrene Kataraktchirurgin benötigt Dr. med. Anna Bednorz für die eigentliche Operation nur etwa 8 Minuten.
In der Regel können Sie danach noch am selben Tag wieder nach Hause gehen – ein Krankenhausaufenthalt ist nur sehr selten nötig.
Wir planen den Eingriff stets sehr sorgfältig und gehen dabei auch auf Vorerkrankungen ein. Die Operation des Grauen Stars ist auch bei Vorerkrankungen meist gut durchführbar, aber das Sehergebnis kann durch die zusätzliche Erkrankung eingeschränkt sein.
Die Operation des Grauen Stars ist ein überaus weitentwickeltes Verfahren mit sehr hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Komplikationen sind selten. Mögliche Risiken sind Infektionen oder vorübergehende Sehschwankungen. In der Regel ist die Operation sehr sicher.
Bei vielen Patienten bildet sich Monate oder Jahre nach der Operation ein Nachstar aus, der aber sehr einfach, schnell und schmerzlos in unserer Praxis behandelt werden kann.
Viele Patient*innen sehen nach dem Eingriff deutlich besser – oft sogar ohne Brille in der Ferne. Ebenfalls haben viele Patienten nach der OP eine viel intensivere Farbwahrnehmung.
Das Ergebnis hängt aber vom Zustand Ihrer Augen und möglichen Vorerkrankungen ab.
Wir haben Ihnen ein Merkblatt zusammengestellt mit den wichtigsten Infos rund um die OP des Grauen Stars bei uns. Dieses finden Sie hier: Wichtige Hinweise.