Auswahl der richtigen Linse
Bei der Operation des Grauen Stars wird die eingetrübte natürliche Augenlinse entfernt und durch eine künstliche Linse (Intraokularlinse) ersetzt.
Hierzu müssen Sie eine wichtige Entscheidung zur OP treffen: Unter ausführlicher Beratung wählen Sie aus vier möglichen Intraokularlinsen die für Ihre Bedürfnisse am besten passende aus.
Dafür ist ein Verständnis der Funktionsweise von Augen- und Kunstlinsen essenziell: Die Augenlinse ist akkommodationsfähig, das heißt, sie kann ihre Brechkraft ändern, um Objekte in verschiedenen Entfernungen scharfzustellen. Das geschieht durch eine muskulär gesteuerte Anpassung der Linsenform. Eine künstliche Linse hingegen ist nicht akkommodationsfähig.
Bei der Standardlinse, die von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen wird, gibt es die Auswahl zwischen scharfem Sehen in der Ferne (ab ca. 2 Metern) oder in der Nähe (Lesen).
Es gibt jedoch auch Premiumlinsen mit verbesserten optischen Eigenschaften. So werden beispielsweise EDoF-Linsen angeboten, die über einen deutlich erweiterten Schärfebereich verfügen und damit noch mehr Unabhängigkeit von einer Brille oder Lesebrille ermöglichen. Premiumlinsen werden nicht oder nur teilweise von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen. Die erforderliche eigene Zuzahlung richtet sich nach der gewünschten Linse und deren Anpassung, dem Krankenkassenanteil und eventuell notwendigen Zusatzuntersuchungen.
Die folgende Übersicht über die vier von uns angebotenen Intraokularlinsen für die Katarakt-Operation soll Ihnen die Wahl der für Sie passenden Linse erleichtern.
1. Monofokale Standardlinse
Das Modell der gesetzlichen Krankenversicherung
Diese Linse – auch „Einstärkenlinse“ genannt – ist bereits von hoher Qualität und ermöglicht Ihnen scharfes Sehen entweder in der Nähe oder in der Ferne. Unabhängig vom gewählten Sehbereich erfordern Tätigkeiten wie Lesen oder Bildschirmarbeit auch nach der Operation eine Lese- oder Gleitsichtbrille. Die Linse besitzt einen UV-Filter zum Schutz Ihrer Augen.
Die meisten Patient*innen entscheiden sich für scharfes Sehen in der Ferne und nutzen dann für den Nahbereich eine Brille bzw. Lesebrille.
Kosten: Die Kosten für die monofokale Standardlinse werden vollständig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
2. Monofokale, asphärische Blaufilterlinse
Die gängigste Premiumlinse
Im Vergleich zur Standardlinse bietet diese Linse eine verbesserte Bildwiedergabe und zusätzlichen Schutz der Augen. Während bei der Standardlinse durch die vorgegebene Krümmung nicht alle Lichtstrahlen optimal abgebildet werden, bündelt die monofokale, asphärische Blaufilterlinse Lichtstrahlen auf einen bestimmten Punkt. Das sorgt für natürlicheres Farbempfinden, bessere Schärfentiefe und besseren Kontrast.
Zudem wird diese Linse für Patient*innen mit empfindlicher Makula empfohlen. Der Hintergrund: Eine natürliche Augenlinse färbt sich mit zunehmendem Alter gelblich ein und bildet so einen Schutzfilter gegen schädliche blaue Lichtanteile. Entfernt man bei der Katarakt-Operation die natürliche Linse, fällt dieser Schutz weg – gerade bei älteren Patient*innen erhöht dies das Risiko einer altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). Die Blaufilterlinse schützt die Augen zusammen mit einem UV-Filter vor schädlichen Lichtanteilen, ohne den Seheindruck zu verändern.
Kosten: 450 - 550 Euro pro Auge inkl. Beratung
3. Monofokale, asphärische, torische Linse
Hilft auch bei Hornhautverkrümmung
Diese Premiumlinse kommt zum Einsatz, wenn nicht nur ein Grauer Star vorliegt, sondern zusätzlich eine Hornhautverkrümmung korrigiert werden soll. Im Gegensatz zur Standardlinse, die nach der Operation eine restkorrigierende Sehhilfe für die Hornhautverkrümmung nötig macht, kann die torische Linse sie bereits in höherem Maße ausgleichen. Daher wird diese Linse besonders bei einer stark ausgeprägten Hornhautverkrümmung empfohlen.
Wie die monofokale, asphärische Blaufilterlinse (2.) bietet diese Linse zudem UV- und Blaulicht-Filter und sorgt dank optimierter Lichtstrahlenbündelung für natürlicheres Farbempfinden, bessere Schärfentiefe und besseren Kontrast.
Kosten: 800 – 1.000 Euro pro Auge inkl. Beratung
4. EDoF-Linse
Extended Depth of Focus - die erweiterte Tiefenschärfe
Die EDoF-Linse ist eine moderne Premiumlinse, die speziell entwickelt wurde, um den Schärfebereich des Sehens zu erweitern. Während herkömmliche monofokale Linsen nur einen einzigen Brennpunkt bieten (entweder in der Nähe oder in der Ferne), ermöglicht die EDoF-Technologie ein durchgängig schärferes Sehen im Zwischenbereich – ideal für Tätigkeiten wie Computerarbeit, Lesen auf Armlänge oder handwerkliche Arbeiten.
Die Linse erzeugt ein besonders harmonisches Seherlebnis mit reduziertem Risiko störender Lichtphänomene wie Halos (Lichtringe) oder Blendungen, die bei klassischen Multifokallinsen häufiger auftreten können. Für sehr kleine Nahdistanzen, wie etwa beim Lesen von Kleingedrucktem, kann dennoch eine schwache Lesebrille erforderlich sein.
Zudem ist die EDoF-Linse mit einem integrierten UV- und Blaufilter ausgestattet, der die Augen vor schädlichen Lichtanteilen schützt und somit auch das Risiko für altersbedingte Makulaerkrankungen senken kann. Die präzise Lichtbündelung sorgt zusätzlich für hohen Kontrast und natürliche Farbwahrnehmung.
Kosten: 1.500 – 2.000 Euro pro Auge inkl. Beratung